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 Nicht schon wieder er

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Lisa Wesseler
Spielerfrau
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BeitragThema: Nicht schon wieder er   26th Dezember 2016, 9:49 pm

"Und ich finde immer noch, dass du nicht fahren solltest!" schleuderte er seinem Freund entgegen, während der gerade dabei war seine Tasche zu packen. Seine Tasche für die Nationalmannschaft. Wieder Trainingslager, wieder ein großes Turnier und schon wieder würden sie sich lange nicht sehen. Ganz zu schweigen von der Belastung für seinen Körper.

"Gonzalo", sagte er mit dieser samtweichen Stimme, dabei hielt er sein Duschgel in der Hand und ließ es sinken. Wenn er seinen Freund Gonzalo nannte, dann war schon etwas im Argen. Normalerweise bevorzugte er Gonzo. Oder Castro, wenn er versuchte wütend auf ihn zu sein. Doch jetzt sah er ihn aus seinen grün-braunen Augen heraus an. Und Gonzo sah die Entschlossenheit. "Ich habe die Weltmeisterschaft verpasst, weil mein scheiß Körper nicht so will wie ich. Diese zweite Chance lasse ich mir nicht entgehen, egal was du davon hältst." sagte Marco mit einer Härte in der Stimme, die Gonzalo schlucken ließ. "Du weißt genau so gut wie ich, dass Tuchel dich im letzten Spiel nur aufgestellt hat, weil er wusste, dass wir nichts mehr reißen können." brummte Gonzalo, sichtlich verärgert über das Verhalten seines Freundes. Marco sah nur einmal kurz hoch, packte dann aber weiter seine Tasche. "Gonzalo, ich liebe dich wirklich. Aber du wirst mich nicht aufhalten können. Ich bin endlich dran, ich bin bereit!" sagte er und Gonzalo schüttelte nur über die Sturheit seines Freundes den Kopf. "Na dann verletz dich bei der scheiß Nationalmannschaft mal nicht." sagte er, tat so als wäre es ihm egal, was Marco tat. Der sah nur noch kurz auf, aber Gonzalo war schon dabei zu gehen.

Er schnappte sich seine Jacke und seinen Autoschlüssel und machte dann, dass er aus Marcos Wohnung entkam. Die Sturheit seines Freundes nervte ihn so hart. Genau so wie seine Disziplin. Klar, sie spielten in einer Mannschaft, aber niemand wusste von ihnen und niemand durfte von ihnen wissen. Sie wohnten nicht zusammen, nicht mal in der Nähe voneinander. Dabei wäre es gar nicht so abwegig, wenn Gonzalo auch am Phönixsee wohnen würde. Aber Marco wollte das ja nicht. Marco wollte so viel nicht. Eine leere Coladose vor sich her kickend stampfte Gonzalo zu seinem Auto. Als er sah, wessen Bild auf der scheiß EM-Dose drauf war, trat er mit viel Gewalt drauf. Zurück blieb das zerknautschte Gesicht von Mario Götze, als Gonzalo mit seinem Auto davon fuhr.


Fünf Tage. Fünf Tage waren vergangen, seitdem er sich mit Marco gestritten hatte, bevor sein bessere Hälfte nach Ascona gefahren war. Hatte der feine Herr sich gemeldet? Natürlich nicht. Seufzend blätterte Gonzalo durch die Tageszeitung, ließ den Sportteil bewusst aus. Eigentlich wollte er in den Urlaub fahren. Mit Marco. Aber die Tickets für eine Reise auf eine einsame karibische Insel konnte er in die Tonne treten. Sein verletzter Freund quälte sich lieber im Trainingslager der Nationalmannschaft. Was besonders für Gonzalo noch erschwerend dazu kam: Mario war auch da.
Er kannte Mario Götze gar nicht und darin lag auch sein Problem, denn Marco verstand sich für sein Verstehen viel zu gut mit dem pummeligen Stürmer. Gonzo war verdammt eifersüchtig, was auch ein wenig seinem spanischen Temperament geschuldet war. Marco und Mario hatten sich beim Pokalfinale einfach zu gut verstanden. Sowohl vor, als auch hinterher. Das Finale war auch grad mal eine Woche her, der Schmerz saß zumindest bei Gonzo noch ziemlich schwer... In drei Tagen würde Joachim Löw den endgültigen Kader bekanntgeben. Gonzo machte sich keine Hoffnungen, dass Jogi auf Marco verzichten würde, zu wichtig war der Mittelfeldspieler. Und zu stur. Marco wollte diese Chance auf diesen Titel und würde alles dafür tun. Selbst ihn, seinen Freund, ließ er dafür zurück.
Was Gonzalo davon hielt? Nichts.
Interessierte das Marco? Absolut nicht.
Tief im Inneren verstand Gonzalo ihn ja. Aber er machte sich auch einfach nur unfassbare Gedanken und Sorgen um Marco. Sein Körper machte so langsam schlapp und das ging nicht nur bei Marco auch an die Psyche. Immer, wenn Marco beim Training oder im Spiel am Boden lag bimmelten Gonzalos Alarmglocken. Bitte nicht verletzt sein, bitte, bitte bitte. Betet er. Marco machte sich darüber lustig. Seit drei Jahren tat Gonzalo sich das nun schon an. Drei Jahre waren vergangen, seit sie sich in Düsseldorf, auf "neutralem Boden" in einem Schwulenclub kennen gelernt hatten. Sie waren beide geschockt gewesen den jeweils anderen dort erkannt zu haben. Aber aus anfänglicher Skepsis war irgendwann Liebe geworden. Nachdenklich fuhr Gonzo durch die Straßen, bis er endlich Zuhause ankam und sich ins Bett kuscheln konnte. Ohne Marco. Aber mit jedem Gedanken bei ihm.












Fassungslos scrollte Gonzalo durch die zahlreichen Artikel über Marco. Seit 15 Minuten war klar, dass Marco die Europameisterschaft verpassen würde. Schon wieder kein großes Turnier für ihn. Wieder konnte er nicht mitspielen, weil sein Körper nicht wollte. Fassungslos surfte Gonzalo durchs Netz, las jeden Artikel, jeden Kommentar über Marco. Je mehr er las, desto wütender wurde er.
Auf Marco, dass er trotz Verletzung gefahren war. Auf jeden Vollidioten, der meinte einen Kommentar abgeben zu müssen. Und gleichzeitig empfand er so viel Mitleid mit seinem Freund. Er wartete darauf, dass sein Handy klingelte, aber schließlich rief er doch selbst bei Marco an. Nach dem zweiten Freizeichen nach Marco ab.

"Hallo?" fragte es auf der anderen Seite mit tränenreicher Stimme. "Marco." sagte Gonzalo einfach nur, woraufhin Marco hemmungslos zu weinen begann. Einige Minuten hörte er seinem Freund einfach nur zu, wie er weinte. "Wo bist du?" fragte er irgendwann. "Bei Mario." sagte Marco und Gonzalo verkniff sich einen Kommentar. "Wann bist du wieder Zuhause?" fragte er nach. "Ich lande heute Abend in Düsseldorf." sagte er und Gonzalo seufzte. "Sehen wir uns?" fragte er nach, aber Marco blieb stumm. Wegen Mario wahrscheinlich. "Mal sehn." sagte er einfach nur und legte auf. Auch wenn Marco es nicht verdient hatte ihn als Freund zu haben... Gonzo liebte ihn. Und dagegen konnte und wollte er auch nichts tun.

Marco schrieb ihm am Abend noch eine SMS, wann er in Düsseldorf landen würde. Schließlich holte er ihn ab, inkognito. Erst in der Tiefgarage, im Auto, drückte er ihm einen behutsamen Kuss auf seine Lippen, den Marco nicht erwiderte. Seufzend fuhr Gonzalo zu Marco nach Hause, machte es ihnen so gemütlich wie möglich. Sie aßen Pizza, sahen Marcos Lieblingsfilm und gingen dann ins Bett, aber Marco schwieg eisern – den ganzen Abend über.
Er igelte sich die folgenden Tage komplett ein. Gonzalo rief in seiner Verzweiflung sogar Marcos besten Freund Marcel an, um mit ihm über Marco zu Reden. Als Teamkollege, versteht sich. Aber auch er konnte nichts an Marcos Laune ändern. Marco ging zur Reha, schob Extraschichten im Kraftraum, benahm sich also ganz normal. Aber er redete nicht. Weder mit Marcel, noch mit Gonzalo. Je näher das Eröffnungsspiel der EM am 10. Juni kam, desto schlimmer wurde Marcos Laune. Bis es Gonzalo reichte. Donnerstagabend, vor dem Eröffnungsspiel, saß er neben Marco auf dem Sofa in dessen Wohnung. Zu diesem Treffen war es auch nur gekommen, weil Gonzo darauf bestanden hatte Zeit mit ihm verbringen zu wollen.

Er hatte Marco gerade gefragt, was er Essen wollte, aber sein Freund hatte nur die Salatschüssel hochgehalten, ohne etwas zu sagen. Und das brachte bei Gonzalo das Fass zum überlaufen. "Es reicht." sagte Gonzo schließlich. Er griff sich seine Tasche und seine Jacke, zog die gebuchten Flugtickets für den Trip, den er schon vor Marcos EM-Aus für ihn und sich geplant hatte heraus. Er hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, viel Geld bezahlt um den Flug umzubuchen. Morgen hätte der Flieger gehen sollen. Aber so wie Marco sich ihm gegenüber benahm wollte Gonzo gar nicht mehr mit ihm in den für sie beide auch absolut wohlverdienten Urlaub fahren. Er warf Marco sein Flugticket vor die Füße.
"Ich weiß, du hast scheiß Laune. Aber lass das nicht an mir aus. Ich wollte mit dir Urlaub machen, Zeit mit dir verbringen", sagte er ziemlich erbost und konnte nicht verhindern, wie sauer er war. "Aber seit Tagen tu ich mir deine Laune an, ja du bist verletzt und kannst nicht bei der EM mitmachen. Komm drüber hinweg und benimm dich endlich mal wie jemand, der meine Liebe auch verdient. Mit deiner Scheißlaune kannst du dich allein rumschlagen, ich hab da keine Lust mehr drauf. Meld dich, wenn du normal bist. Oder du reden willst. Oder lass es. Mir egal..." sagte er, obwohl es ihm wirklich nicht egal war. Dann verschwand er.

So wie er Marco kannte würde er sich nicht melden. Auf dem Weg zum Auto rauchte Gonzo, was er nicht mehr häufig tat. Aber es war ihm gerade danach. Gerade wollte er in sein Auto steigen, da hörte er Marcos Stimme von dessen Balkon. "Gonzalo?" rief er leise und klang dabei so verletzlich, dass Gonzo nun doch zu ihm hochsah. "Fährst du mit mir in den Urlaub? Bitte?" fragte er nach. Das war der erste ordentliche Satz, den sein Freund in den letzten Tagen zu ihm gesagt hatte. Gonzalo zögerte, den Autoschlüssel immer noch in der Hand. "Mal sehen. Ich hab für morgen ein Flugticket. Und ich werde auf jeden Fall in diesem scheiß Flugzeug sitzen." rief er hoch. Doch er sah trotz der Entfernung und der Dunkelheit, dass Marco lächelte und das brachte auch ihn zum lächeln. "Dann sehen wir uns morgen." rief Marco.
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